Wer Mnozil Brass noch nicht live erlebt hat, hat etwas versäumt. Aber zum Glück gibt es ja jetzt diese DVD. Wer auf Blechbläser-Musik mit Sketch und Comedy-Einlagen abfährt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Auch die absolute Sicherheit im Spiel ihrer Instrumente zeugt von der Souveränität der einzelnen Musiker. Jazz, Klassik, Pop, Rock, Film usw. wird umgesetzt in ein furioses Feuerwerk an bläserischem Können gemixt mit Theater und Comedy.
Weil das 1992 zusammengefundene, musikstudierte Septett aus Österreich seine Instrumente, Stimmbänder und sogar Gesichtszüge meisterhaft beherrscht, blödelt es virtuos selbst a cappella noch, was das Zeug hält. Dabei sind ihre völlig notenblattlosen Interpretationen quer durch E- und U-Musik niemals respektlos, sondern hörenswert eigenwillig im kreativsten Wortsinn. Gesangsausbildung hat keiner, das gleichen Musikalität, Humor, Teamgeist und Selbstverständnis dieser sieben Brüder im Brass-Geiste lässig aus.
Wer sonst könnte wohl Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur mal eben auf sieben Blockflöten, an den Nasenlöchern statt an den Lippen angesetzt, einen ganzen zweiten Satz lang geben wie sie? Nicht nur optisch stechen Gansch mit den Schlangenhaut-Schuhen und Paul mit dem roten Sakko heraus. Erst tut Trompeter Paul recht autistisch, als würde er zum Lachen nicht etwa in den Keller gehen, sondern lieber extra eine U-Bahn mieten. Paul stimmt manisch den „Alten Kameraden“ an, er tutet noch in Rückenlage auf den Schultern von vier Mitbläsern ungerührt. Doch sein Bass-trompeten-Flügelhorn-Duett mit Gansch, das von den „Steirischen Tänzen“ über „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ zu jazzigem Dixie und wieder zurück tänzelt, entlarvt alle Neurotik als Show.
Die sieben souveränen Clowns bringen „Star Wars“ und Abbas „Fernando“ so zur Geltung wie Sinatras „Moon River“ und Franz von Suppés „Leichte Kavallerie“, verstehen sich auf Big-Band Sound wie auf den von Dorfkapellen. Und sie bleiben auch mit den Auftritts-Orten ihrer Unkonventionalität treu: Mnozil Brass gastierten am Tag nach Kellberg in der Royal Albert Hall in London, für 2006 sind Mexiko, Japan, Taiwan fix, China ist im Gespräch.
'This is no ordinary brass ensemble..
...and these seven guys are no ordinary musicians'
(Steven Mead, Euphonium Soloist)